Porträt Herwig Korbel Wien

Herwig Korbel

BA Fitnessökonomie
MA Wirtschafts- und Organisationspsychologie

Drei Bilder, die ich unglaublich gerne einmal digitalisieren möchte

Die berühmte Inselfrage, wir kennen Sie alle: Welche drei Gegenstände würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen.  Ich wollte die Frage für mich einmal anders stellen. Welche drei Bilder, möchte ich auf der einsamen Insel für mein Leben gerne digitalisieren? Darüber musste ich nicht lange nachdenken.

  1. Maria Lacants von Jean Fouquet, weil es mein absolutes Lieblingsbild ist.
  2. Das schwarze Quadrat von Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch. Weil es eben nicht nur schwarz weiß ist, sondern aus vielen feinen dunklen und hellen Schattierungen besteht. Und die Faktur des Bildes nicht zu vergessen.
  3. Eines der blauen Monochrome von Yves Klein. Es wird fotografierbar sein, aber es gibt fast kein (leistbares) Ausgabemedium, dass auch nur annähernd in der Lage wäre, es darzustellen. Die einzige Möglichkeit den Zauber dieses unglaublichen Blau zu erleben, ist tatsächlich, es im Original zu sehen.
Die Maria lactans von Jean Fouquet (1420 bis ca. 1480)

Ein Bild, das mich damals in der Gemäldegalerie in Berlin so was von geflasht hat. Eine äußerst ungewöhnliche Maria lactans, vor allem, wenn man die Epoche bedenkt, in der es entstanden ist. Wir reden vom 15. Jahrhundert. Jean Fouquet, in der Tradition der Gotik aufgewachsen, die Renaissance in Italien kennengelernt, malt hier ein Bild, das für mich unglaublich modern wirkt. seiner Zeit weit voraus.

madonna lactans-jean fouquet-140

Es ist 2008 sehr hochwertig mit einer Hasselblad H-Kamera vom begischen Fotografen Hugo Maertens für das Königliche Museum der Schönen Künste digitalisiert worden. Mit höchster Wahrscheinlichkeit aber nicht farbecht, so wie es heute möglich ist, weil es damals noch keine Kameraprofilierungssoftware gab, die linearkolorimetrische Profile für die museale Reprofotografie erstellen konnte. 
Königliches Museum der Schönen Künste Antwerpen , CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71001742

Das schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch (1879 - 1935)

Fotografisch ist es eben nicht nur schwarz auf weiss. Es sind feinste dunkle und helle Schattierungen mit feinen Farbnuancen. Eine feine Differenzierung in den sehr dunklen und den sehr hellen Tönen, das geht nur mit sehr, sehr guten linearen Kameraprofilen. Aber es sind  nicht nur die feinen Helligkeits- und Farbschattierungen, die dieses Bild auszeichnen, sondern vor allem die Faktur des Bildes. Die Spanngirlanden am oberen Rand, die unterschiedlich dicken Fäden der Leinwand, die Pinselstriche, der durchscheinende, dunklere Grund unter dem Weiß, das leicht fleckige Aussehen der schwarzen Fläche. Wenn man das Digitalisat im Ganzen betrachtet, fällt aber auf, dass es ungleichmäßig beleuchtet ist. Das Licht kommt von rechts oben.

Das würde ich gerne anders machen. Struktur noch mehr betonen, wie es eine Museumsbeleuchtung mit Spotlicht tut, bei gleichzeitig homogen wirkender Beleuchtung über die gesamte Bildfläche. Mehr Durchzeichnung in den tiefen Partien. Wie gesagt, ein Wuschtraum von mir. Aber noch interessanter zu fotografieren wäre die erste Fassung von 1915 in der Tretjakow-Galerie in Moskau.

Ausschnitt aus dem Schwarzen Quadrat von Kasimir Malewitsch, Fassung von 1923. Quelle: https://rusmuseumvrm.ru/data/collections/painting/19_20/zh_9484/?lang=en
Schwarzesn Quadrat von Kasimir Malewitsch, Fassung von 1923. Quelle: https://rusmuseumvrm.ru/data/collections/painting/19_20/zh_9484/?lang=en

Version von 1923. Russisches Museum St. Petersburg. Strukturbetonende, asymmetrische Beleuchtung. Lichtabfall sichtbar. https://rusmuseumvrm.ru/data/collections/painting/19_20/zh_9484/?lang=en

Ein Gemälde von Yves Klein - das Yves-Klein-Blau

Wer dieses von Yves Klein patentierte International Klein Blue – kurz IKB – schon einmal im Original gesehen hat, wird vielleicht verstehen, warum mich das fotografisch reizt. Das IKB Blau ist soweit außerhalb des Farbraumes, den ein Wide Gamut Bildschirm (Adobe RGB oder P3) anzeigen kann, das es absolut sinnlos ist, hier ein Bild davon zu zeigen. Mein Interesse ist rein akademisch und entspringt der Neugierde: Wie gut kann ich mit meinem linearkolorimetrisch profilierten Aufnahmesystem dieses Blau abbilden, und wie weit liegt es außerhalb des AdobeRGB Farbraumes.

Warum mich farbgenaue Reprofotografie fasziniert

Weil es schwierig und technisch fordernd ist – ich Herausforderungen mag – und weil mir Kunst wichtig ist.

Es fing alles damit an, dass ich merkte, dass ich in meiner Arbeit weit davon entfernt war, farbgenau zu sein.

Ich habe immer wieder für Künstler:inne Bilder fotografiert. Und dabei habe ich die Gemälde fotografisch genauso behandelt, wie die Produktfotografie auch. Ich habe natürlich einen ColorChecker Passport ins Bild gestellt, ich habe natürlich einen Weißabgleich gemacht. Was mir dann aber doch aufgefallen ist: Die Neutraltöne waren zwar neutral, aber die Farbwerte der restlichen Farbfelder stimmten bei weitem nicht mit den Farbreferenzwerten überein. Farbecht? Richtige Hellikgeitswerte? Fehlanzeige! Das war keine farbechte Reprofotografie, was ich da lieferte. Das war unbefriedigend für mich. Haben es die Künstler:innen bemerkt? Nein. Schließlich waren die Bilder brillant und farbkräftig. Zu farbkräftig.

Der nächste Versuch war mit dem ColorChecker Passport und der dazugehörenden Kameraprofilierungssoftware ein aufnahmespezifisches Farbprofil zu machen. Ergebnis: Die Farben sind etwas anders, aber die Farbwerte sind immer noch weit daneben, die Kontraste zu hoch, Farben zu gesättigt. Die Repros haben gut ausgesehen, aber leider immer noch keine farbgenauen Repros.

Unwissen tut auf Dauer weh. Jetzt wollte ich es genau wissen. Ich wollte eine Farbreferenzkarte in meiner Datei sehen, bei denen die gemessenen Farbwerte mit den Farbreferenzwerten übereinstimmen. Denn nur dann konnte ich davon ausgehen, dass auch die Farben in den Bildern dem Original entsprechen. 

Und somit begann eine mehrmonatige spannende Recherchereise und Einarbeitungszeit in einen sehr technischen Bereich der Fotografie, der ein außerordentlich hohes Maß an technischem und Kunstverständnis verlangt. Jetzt erreiche ich validierte Museumsqualität. 

Der angenehme Nebeneffekt der Cultural Heritage Fotografie - ich fotografiere Seelennahrung

Wenn ich ein Kunstobjekt oder ein Kulturgut fotografiere, dann interessiert mich auch der Künstler, was er denkt, was er fühlt, wie er die Welt reflektiert, warum er macht, was er macht, die Geschichte, einfach alles, was damit zusammenhängt. Was gibt es Schöneres? Das zu fotografieren, was einen bereichert. Und das Schönste: Es ist ein Interesse, das ich mit meiner Frau teile. Städtetrips werden häufig wegen bestimmter Museen und Galerien geplant.

Fotografie als späte Berufung

Meine naturwissenschaftliche, technische Seite

Es gibt eine vieljährige naturwissenschaftliche Ausbildung in Molekularbiologie  auf universitärer Ebene, ich habe therapeutisch gewerblich als Masseur gearbeitet und habe das Gewerbe für sportwissenschaftlich Beratung.

An der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien hatte ich 12 Jahre lang einen Lehrauftrag, in dessen Rahmen ich mit Musikern und Musikerinnen an der Klangverbesserung durch eine Optimierung der Bewegungs- und Atmungsabläufe am Instrument gearbeitet habe.

Prof. Andreas Mittermayer Jazz-Posaunist

Prof. Andreas Mittermaier, Jazz Posaunist.
Foto: Herwig Korbel

Was mich fotografisch auszeichnet

Technische Begeisterung gepaart mit ästhetischem Feinsinn

Ich habe ein sehr profundes Verständnis aller Aspekte der digitalen Fotografie, insbesondere des Farbmanagementes und des Druckens. Ich liebe es mit meiner Cambo Fachkamera zu arbeiten. Das ist Fotografie pur, die neue, wohltuende Langsamkeit des fotografischen Arbeitens.

Technische Begeisterung alleine macht aber noch keine guten Bilder. Erst wenn technisches Verständnis mit ästhetischen Bildvorstellungen zu einer Symbiose wird, dann entstehen auch überzeugende Bilder. Bilder entstehen nicht in der Kamera, Bilder entstehen im Kopf.

Was mich fotografisch sonst noch bewegt

Meine Porträtästhetik kommt von den Alten Meistern

Meine fotografische Porträtästhetik ist von den Renaissance- und Barockporträts inspiriert. Durchaus auch bei den Businessportraits. Starke Charaktere profitieren von einem markanten Porträtlicht. 

Franz Mekyna Wien

Bauunternehmer Franz Mekyna, FM-Baukonstruktionen. Präsident der gemeinnützigen Maria Theresia Stiftung.
Foto: Herwig Korbel

Architekturfotografie - Inspirationsquelle die Museen dieser Welt

Auch für die professionellen Architekturfotografie beschäftige ich mich mit der Malerei, zum Beispiel mit den Bilder von Edward Hopper, Vermeer, Pieter Jensz. Saenredam, oder der Vedutenmaler Belloto, Canal, Guardi, Piranesi, Pannini.

Saenredam – Marienkirche Utrecht

Die Kirchengemälde des Niederländers Pieter Jansz. Saenredam (1597 - 1665) sind großartig. Hier die Mariakerk in Utrecht. Bemerkenswert: Tiefer Blickpunkt knapp über dem Boden, Standpunkt des Betrachters nicht in der Mitte des Ganges, dennoch bleiben die horizontalen Linien horizontal, die Perspektive eine saubere Einpunktperspektive. Schöne Lichtstimmung in dieser Emporenbasilika.
www.rijksmuseum.nl : Home : Info, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34318835.

Weinflaschenfotografie: unästhetischer Streifenlook vs. ästhetische Lichtgradienten.

Inspiriert durch Saenredams Kirchenbilder. Das Mittelschiff der Kirche Altlerchenfeld Zu Den Sieben Zufluchten in Wien. Dezentraler Standpunkt, damit die großen Luster nicht den schönen Chorraum verdecken. Dennoch ist es eine saubere Einpunktperspektive, wie bei Saenredam. Fachkamera mit Shift- und Stitching Technik.
Foto Herwig Korbel.

Kontakt

Herwig Korbel, BA MA

Postanschrift

Hettenkofergasse 30/20
1160 Wien

E-mail

Mobil

+43 (0)650 870 51 77

Das Rechtliche

Gut zu wissen

Links folgen bald

Cookie Consent mit Real Cookie Banner